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Eine Beule ist oft eine Kleinigkeit, man ist in irgend einem Parkhaus unterwegs oder stellt seinen Rolls-Royce irgendwo ab und man entdeckt beim Wiederkommen oder Abstellen des Oldtimers den Schaden. Mir ist es schon mit meinem Bentley S2 im Laufe der letzten 4 Jahre 3 mal passiert, dass kleine Beulen entstanden sind.

Hintergrund waren andere Verkehrsteilnehmer, die unüberschaubare Größe im Parkhaus und ein Werkzeug das mir in der Garage umgefallen war. Wer eine Kasko Versicherung hat kann zur Versicherung gehen, aber wenn man das nicht hat oder Selbsthand anlegen will den wird folgendes Interessieren: Eine kleine Anleitung und einige Hinweise zum Ausbeulen von Metallblechen am Auto. Sicher sollte man nicht als erstes Werkstück sein frischlackierte Rolls-Royce Silver Cloud Tür verwenden, aber nach mehren Versuchen an Blechdosen kann man sich eine Tür oder eine Motorhaube vom Schrottplatz besorgen und üben.

Angenommen, es handelt sich um einen kleinen Schaden, am Heck des Silver Cloud  auf der linken Fahrzeugseite mit einer länglichen Vertiefung, ca. 300 mm lang und etwa 3 mm tief.
Wie gestaltet sich der Ablauf des Arbeits­ganges Ausbeulen? Als erstes wird der Schadehsumfang genau festgestellt. Sind nur kleine Dellen – etwa in der Form wie nach einem normalen Hagelschaden – vorhanden, können kostengünstige Reparaturmethoden zum Einsatz kommen, die noch nicht einmal das Lackieren der Oberfläche erfordern. Dazu bieten sich das reine Hebelsystem an.
Die Voraussetzung zur Anwendung der ge­nannten Reparaturverfahren ist jedoch, daß die Schadstelle von der Rückseite her zugäng­lich ist.
Sind die Dellen im Karosserieblech größer, kann die Schadstelle nur noch durch die klassische bekannten Ausbeulmethoden wie z.B. mit
□   Hammer und Gegenhalter,
□   dem Zughammer-Verfahren,
In allen Fällen ist die bearbeitete Fläche anschließend zu lackieren. Die Zugänglichkeit der Reparaturstelle von der Rückseite ist jedoch nur beim Arbeiten mit Hammer und Gegenhalter erforderlich.
Als Ergänzung der Instandsetzungsverfah­ren, bei denen die Reparaturfläche lackiert werden muß, ist die reine Oberflächenbearbei­tung zu nennen das Spachtelmassen auftragen oder das Verzinnen.
Ausbeulen-Rolls_Royce
Damit die Beschreibungen der Arbeitsabläufe besser verständlich werden, müssen einige grundsätzliche Aussagen zum werkstoffspezi­fischen Verhalten der Karosseriebleche vor­ausgeschickt werden. Diese gelten Teilweise auch für die Aluminiumteile der Karosserie.

An der Rolls-Royce Silver Cloud Karosserie sind viele unterschied­lich geformte Blechteile zusammengeschweißt. Es gibt leicht geformte Teile, wie Dachhaut, und es gibt stark geformte Partien, wie Schweller oder Längsträger. Wer nun versucht, mit (der Hand die Mitte einer Dachhaut einzudrücken, stellt fest, daß dies ohne größeren Kraftaufwand möglich ist,

llerdings nur bis zu einer gewissen Tiefe. Wird der Druck von der Dachhaut weg­genommen, federt sie in die ursprüngliche Form zurück. Die Kante der Dachhaut läßt sich dagegen mit der Hand nicht verformen.
Welche Gründe gibt es für das unterschied­liche Verhalten des gleichen Materials? Das Karosserieblech behält durch innere Spannungen seine vorgegebene Form bei. So­lange die inneren Spannungen des Materials größer sind als von außen wirkende Kräfte, federt es immer wieder in die Ursprungslage zurück. Das Material ist also elastisch (Bei­spiel Dachhaut). Wird eine höhere Kraft ein­gebracht, die die inneren Spannungen über­trifft, so verformt sich das Karosserieblech und bleibt nach Wegnahme der Kraft in der neuen Position stehen. Das Material ist aber nicht gebrochen, und die neue Form ist eben­falls elastisch. Allerdings ist es jetzt nicht mehr so leicht, die neue Form weiter zu verändern oder wieder zurückzuführen auf die alte Kontur (Ausbeulen), weil die inneren Span­nungen größer geworden sind. Die Stabilität eines Karosseriebleches wird also durch ent­sprechende Formgebung erhöht. Deshalb läßt sich z.B. der Randbezirk der Dachhaut nicht mit der Hand eindrücken. Die Verformbarkeit der Bleche und die damit verbundene Stabili­tätserhöhung haben natürlich Grenzen. Wenn es häufig oder zu stark verformt wird, bricht das Blech.
Zusammenfassend ist festzustellen:
  • Karosserieblech ist bis zu einer bestimmten Krafteinwirkung elastisch;
  • Karosserieblech ist nach Überwinden des elastischen Bereiches plastisch verformbar;
  • jede plastische Verformung erhöht die Steifigkeit des Bleches (Spannungsspitzen);
  • zu häufige plastische Verformungen führen zum Bruch des Materials.
Welche Auswirkungen haben diese Fest­stellungen auf das Verformungs- und Rück-verformungsverhalten (Ausbeulen) von Karos­serieblechen?
Wenn in eine Blechfläche eine Delle geschla­gen wird, entsteht an den Übergangsstellen zur normalen Form von außen eine Material­streckung, während innen eine Materialanhäufung, also Stauchung des Metalls, erfolgt wird eine Delle im Mittelpunkt zurückge­schlagen, wirft sich das Blechmaterial in den gestreckten Zonen sofort auf. Das bedeutet, daß nach jedem Hammerschlag neue Streck-und Stauchzonen gebildet werden. Je mehr solche Zonen entstehen, um so unkontrollier­barer wirken sie sich auf das Glätten der Fläche aus. Beim Ausbeulen muß deshalb dar­auf geachtet werden, daß vorhandene Streck-und Stauchzonen abgebaut und keine neuen aufgebaut werden. Deshalb müssen im Nor­malfall die Ausbeularbeiten immer vom Del­lenrand zur Dellenmitte erfolgen. Mit einem Hammerschlag sollte auch immer eine größere Fläche bearbeitet werden, um spannungsausgleichend zu wirken.
In bestimmten Fällen läßt sich die ursprüng­liche Form mit dem Hammer allein nicht wiederherstellen. Beispielsweise federt in einer großen Fläche das gesamte Blech um die Ver­tiefung so stark, daß der Hammerschlag kaum noch Wirkung zeigt. Stärkeres Zuschlagen erzeugt nur weitere Unebenheiten. Man sagt: der Hammer «zieht» nicht. Erst wenn auf der Rückseite des Bleches ein entsprechendes Ge­wicht gehalten wird, können dosierte und wir­kungsvolle Schläge angebracht werden. Deshalb gehören zum Ausbeulen fast immer beide Werkzeuge: Hammer und Gegenhalter. Für die Blechbearbeitung gilt grundsätzlich:
  • Jede Blechverformung bewirkt Streck- und Stauchzonen.
  • Beim Zurückschlagen von Dellen in Blechen müssen zusätzliche Spannungs­zonen vermieden werden. Daher ist eine Vertiefung von außen nach innen spiral­förmig zurückzuhämmern.
  • Um dosierte Schläge in federnden Blech­partien anzubringen, wird mit einem Gegenhalter gearbeitet.

Werkzeuge zum ausbeulen eines Rolls-Royce Silver Cloud / Bentley S

Wer sich die Werkzeuge kaufen will, sieht sich einer großen Anzahl von unterschiedlichsten Ausführungen gegenüber. Sehr häufig werden komplette Ausbeulsätze angeboten. Um die Übersicht zu erleichtern, sind nachfolgend die gebräuchlichsten Formen beschrieben und die Anwendungen erläutert.

Der Richthammer
Richthammer-Metallarbeiten-Rolls-Royce
Die Vertiefung in einer ebenen Blechpartie muß mit genügend großer Hammerfläche zurückgeschlagen werden. Dies geschieht am besten mit einer runden Schlagfläche. Wenn ein solcher Hammer versehentlich mit der Kante die Blechoberfläche trifft, entstehen kaum weitere harte Abdruckkanten. Noch besser wird das Verkanten des Hammers durch eine zusätzlich leicht ballige Schlag­fläche verhindert.
Im Gegensatz zur vorherigen Erläuterung ist eine runde Schlagfläche zum Ausbeulen nicht geeignet, wenn z.B. ein abgekantetes Blech­profil bearbeitet werden muß. Jetzt hat die quadratische Hammerfläche einen Vorteil. Auch bei ihr verhindert eine leicht ballige Ausführung zusätzliche Blechspannungen in der Schlagfläche, wenn verkantet geschlagen wird. Allerdings fällt es mit der balligen Aus­führung etwas schwerer, vorhandene Blech­kanten exakt nachzuarbeiten.
Der Richthammer wird auch «Universal-Ausbeulhammer» genannt und hat folgende Erkennungsmerkmale:
  • je eine runde und quadratische Schlag­fläche,
  • die Schlagflächen können eben oder ge­wölbt (ballig) sein
  • der Hammerstiel ist lang und schmal und sollte aus Holz sein 
Der Feilhammer
Spitzhammer-Rolls-Royce
Muß in einer fast ebenen Fläche eine ca. 10 mm x 10 mm große Vertiefung ausgebeult werden, überdeckt die Fläche des Ausbeul­hammers den gesamten Schadensbereich. Eine gezielte Bearbeitung der Delle von außen nach innen fällt schwer. Jeder Schlag mit dem nor­malen Richthammer bedeutet eine Streckung der Randzone des Schadensbereichs. Für sol­che Fälle bietet sich der Feilhammer an. Er besitzt gerade Hammerbahnen, die wie eine Feile mit einem Kreuzhieb versehen sind. Da­durch kommt es zu einer nur punktuellen Be­rührung der Schlagfläche mit dem Blech. Das Strecken des Karosseriebleches wird weit­gehend verhindert.
Der Feilhammer hat folgende Erkennungs­merkmale:
  • je eine runde und eine quadratische Schlagfläche,
  • die Schlagflächen sind eben und mit einem feinen Kreuzhieb versehen.
  • Ausbeulen-Blech
Der Spitzhammer
Im Durchmesser winzig kleine Dellen mit großer Tiefe werden häufig von lose im Kofferraum liegenden Gegenständen produ­ziert. Sie rutschen während der Fahrt gegen die Seitenwände und wirken wie ein Hammer­schlag. Wird eine derartige Verformung mit einer großen Hammerfläche bearbeitet, ist so­fort die unbeschädigte Fläche in Mitleiden­schaft gezogen. Hier muß mit einem Spitz­hammer gearbeitet werden, dessen Schlag­fläche ebenfalls sehr klein ist. Das genaue Treffen der Dellenspitze mit der Hammer­spitze ermöglicht ein Ausbeulen ohne Gegen­halter. Häufig hat der Spitzhammer zum Massenausgleich auf der gegenüberliegenden Kopfseite eine runde Schlagfläche. Somit kann er auch als normaler Ausbeulhammer einge­setzt werden.
Der Spitzhammer hat folgende Erkennungs­merkmale:
  • eine spitze und oftmals eine runde Schlag­fläche,
  • die runde Schlagfläche kann ballig oder eben sein.
Der Spannhammer
Wenn eine ebene, quadratische oder rechtecki­ge Blechtafel unterschiedlich lange Diagonalen hat, heben sich die Enden der längeren Dia­gonalen von der planen Fläche ab. In der Fachsprache wird von «windschiefen» Blechen gesprochen. Damit das Blech wieder eben wird, muß die kurze Diagonale gelängt werden. Dies geschieht durch Strecken (Spannen) des Blechs. Mit dem Hammer wird entlang der kurzen Diagonalen auf das Blech geschlagen. Damit keine Formabdrücke des Hammers im Blech zurückbleiben, ist die Schlagfläche leicht ballig.
Die universal Handfaust
Universalfaust
Beim Ausbeulen kann es passieren, daß eine Fläche zu weit nach innen geschlagen wird. Zum Zurückschlagen kann wegen der Platz­verhältnisse aber kein Hammer eingesetzt wer­den. Hier hilft eine massive Handfaust, die gut in der Hand liegt und schwer genug ist, um damit auch zu schlagen. Wenn dieser Gegen­halter auch noch einige Kanten und Run­dungen besitzt, kann er fast überall eingesetzt werden. Deshalb wird hier von der «Uni­versalfaust» gesprochen. Es mag vielleicht daran gelegen haben, daß der Formgeber für diesen Gegenhalter «Daimler» hieß oder daß besonders gut an einem «Daimler» damit gearbeitet werden konnte, daß im schwä­bischen Sprachraum hierfür der Name «Daimler-Stöckle» geprägt wurde.
Die Universalfaust hat folgende Er­kennungsmerkmale:
  • ein massiver fast rechteckiger Klotz, der an einer Schmalseite abgerundet und an der anderen Schmalseite schräg zugeschnitten ist;
  • die schmalen Flächen sind ballig ausge­führt, während die Breitseiten eben sind.
spoondolly
Diaboloförmige Handfaust
Die vorderen und hinteren Kotflügelecken haben sehr starke Rundungen. Entsprechend muß das Gegenstück beim Ausbeulen geformt sein. Deshalb wurde eine Handfaust geschaf­fen, die durch nur leichtes Verdrehen sich star­ken Formänderungen des auszubeulenden Bleches anpaßt.
Die diaboloförmige Handfaust hat folgende Erkennungsmerkmale:
  • das Aussehen ähnelt einem Diabolo mit breiten abgerundeten Rändern,
  • das Mittelstück des Schaftes ist zylindrisch,
  • die Schlagflächen sind poliert.
Ebene Handfaust
Muß eine Tür ausgebeult werden, ist von der Innenseite her nicht viel Platz. Außerdem hat ein Türblatt nur schwache Wölbungen. Der Gegenhalter muß demnach ein flaches, leicht balliges Werkstück sein.
Die ebene Handfaust hat folgende Erken­nungsmerkmale:
  • das Aussehen ähnelt einem Stück Flach­stahl,
  • die breiten Oberflächen sind leicht ballig und poliert,
  • eine Schmalseite ist abgerundet, während die andere senkrecht zu den Breitseiten ver­läuft.

Heel-Dolly